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EPITAPHIVM REVERENDI ET / [C]LARISSIMI VIRI DOMINI · PETRI RIHELII PASTORIS ECCL(ESIAE) CIBINIENS(IS) DIGNISS(IMI) / DOCTISSIMI · MERI(TI)SSIMI QVI OBI/IT ANNO DOMINI 1648 DIE 31 OCTOBRIS AETATIS VERO SVAE 55 ·
B Petrus eram, solido PETRAE Fundamine nixus;
Dum fluerent Vitae tela caduca meae.
Nulla hinc tempestas, non fulmina saeva potentum,
Non qvae vana suis Viribus ira furit.
Sed neq(ve) Tartareo, Qvae Monstra feruntur in antro,
Deturbare meâ Me Potuere PETRAa).
Vna aliqvid valuit Mors in me: sed neq(ve) totum
Subdidit imperio trux licet illa suo.
Scripta mihi Coelo sunt nomina, grataq(ve) multis
Fama Volat fatum non subitura locis.
Tv qvoq(ve) te victam Mors ipsa fatebere qvondam,
In PETRAa) hâc PETRVS cum rediviuus ero.
VITA MIHI CHRISTVS MORS MIHI LV-//CRVM2)
D P(ETRVS) R(IHELIVS)
E Jahwe
Epitaph des ehrwürdigen und auserlesenen Mannes, des hochwürdigen, weisen und verdienstvollen Herrn Petrus Rihelius, Pfarrer der Hermannstädter Kirche, der im Jahre des Herrn 1648 am 31. Oktober starb, im Alter von 55 Jahren.
Petrus war ich in festem Steingrund angestemmt, bis sich das vergängliche Gewebe meines Lebens wallte. Von nun an können mich weder der Sturm, noch die scharfen Blitzschläge der Mächtigen, noch die in ihrer Kraft eitle Wut rühren; noch die Ungeheuer, die im Vorzimmer des Tartarus erzeugt werden, können mich in meinem Stein belästigen. Ein einziger Tod lag in mir, obwohl jener Grimmige nicht alles seiner Gewalt unterwerfen konnte. Meine Namen sind in Himmel geschrieben und der dankbare Ruf und das Schicksal, die nicht untergehen, fliegen nach vielen Orten. Auch du selbst, Tod, wirst dich einmal als besiegt bekennen, denn ich, Petrus, werde aus diesem Stein auferweckt werden.
Anmerkungen
Sechs Distichen (B).
Petrus Rihelius wurde um 1593 in Großau geboren. Er studierte am Hermannstädter Gymnasium und 6 Jahre an Universitäten (Tübingen, Straßburg, Darmstadt, Gießen, Marburg) in Deutschland. 1628 kehrte er nach Hermannstadt, erhielt 1631 das Rektorat am ev. Gymnasium, wurde im gleichen Jahr Pfarrer in Großscheuern bei Hermannstadt und endlich 1642 Stadtpfarrer in Hermannstadt. Unter den Ereignissen in der Stadt zwischen 1645 und 1646 „litt er und seine Ehre nicht wenig“10).
Petrus Martyr mit Schild und Säbel4), zugleich Namenspatron, der als strenger Prediger sich den Haß seiner Gegner zog - so wie in der Laudatio/Epigramm dieses Schicksal auf Pfarrer Peter Rihelius erweitert wurde, und Johannes der Täufer mit Lamm auf Buchdeckel5) sind die Schildträger des symbolischen Wappens des Verstorbenen. Das runde Emblem hat als Thema die Arche Noahs und die Taube, die von Ararat ein Ölbaumblatt bringt,6) und trägt eine Devise, die den Zuversicht in die Auferstehung zum Ausdruck bringt. Die Arche symbolisiert die Fragilität des Menschen und zugleich die Segelfahrt ins Jenseits, wie bereits in der frühchristlichen Grabkunst7).
Historische Arbeit von Dr. Ioan Albu